Das Buch

Ein Tagebuch über Lepra im heutigen Berlin

Eine Brasilianerin zieht mit ihrem deutschen Mann nach Berlin. Sie ist jung, gebildet und voller Elan und freudiger Erwartung. Alsbald beherrscht sie die deutsche Sprache, findet Freunde und eine Arbeit, die sie fordert und ihr Freude bereitet.

Alles ist gut.

»Zwei Monate später feierte ich meinen 30. Geburtstag. Ich war zufrieden mit meinem Leben. Ich hatte ein paar enge Freunde zu einer kleinen Party bei mir zu Hause eingeladen, und ich erinnere mich an ihre Kommentare über meine gute Laune und die amüsanten Gespräche.«

Bis sie eines Tages Flecken entdeckt. Am linken Arm, am rechten Knie und an der Wade. Sie nimmt die Sache nicht sonderlich ernst, befragt ihren Hausarzt, konsultiert die Hautklinik und befindet sich, ohne es zu ahnen, am Beginn einer unglaublichen Odyssee.

Nach vielen vergeblichen Untersuchungen bekommt sie endlich die Diagnose:

»Ich fühlte mich verloren, physisch und psychisch gequält nach all den Untersuchungen und den unbeantworteten Fragen. Die Unsicherheit der Ärzte ließ auch mich unsicher werden. Die Diagnose sollte schon längst da sein. Am Freitag kam sie dann.«

Es ist Lepra.

Eine Krankheit, die man in Europa längst vergessen hat, die man in seinem Bewusstsein mit der Pest und der Cholera ins Mittelalter oder mit Ebola und Malaria in unzivilisierte Welten verdrängt hat.

Zunächst endet die Ungewissheit mit der Diagnose, aber während der schmerzvollen, verzweifelten Irrfahrt der Therapie kehrt sie zurück: Wieviele Schmerzen halte ich aus? Wieviel Medikamente mit wievielen Nebenwirkungen? Wird es überhaupt ein Ende geben? Und wann endlich?

Verzweifelt und tapfer, aber keineswegs humorlos und stets mit kritischem Sinn hat Evelyne Leandro diese biblische Herausforderung besiegt. Und hat sich selbst eine Therapie verordnet, die sie neben der intensiven medizinischen Behandlung geheilt hat: Sie hat über die ganze, schreckliche Zeit Tagebuch geführt. Ein Tagebuch voller Erlebnisse und Erkenntnisse, Schriftwechsel und Unterhaltungen, Philosophie und Poesie.

Ihre Geschichte zu lesen bedeutet nicht nur, etwas über die vergessene Krankheit Lepra zu erfahren, es bedeutet vor allem, den mutigen Kampf einer jungen Frau zu begleiten, die trotz aller Verzweiflung, trotz aller Schmerzen niemals aufgehört hat, an sich und das Leben zu glauben.

Auf ihrem qualvollen Weg hat sie dieses Wort der brasilianischen Dichterin Cora Coralina begleitet und ermutigt:

»Auch wenn es scheint, dass alles zusammenbricht,
liegt es an mir, mich zu entscheiden zwischen
Lachen oder Weinen, Weitergehen oder Stehenbleiben, Aufgeben oder Kämpfen;
denn ich habe auf dem ungewissen Weg des Lebens entdeckt,
dass das Wichtigste das Entscheiden ist.«

Tagebuch Lepra Berlin
Das Buch auf einen Blick
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