Globales Lernen und ich

thumb_IMG_1574_1024(…) „Kokosmilch, Palmöl, Fisch, Garnelen und Gemüse – das sind die wichtigsten Zutaten für den brasilianischen Fischeintopf Moqueca. Während die Frauen im Nachbarschaftstreff Freizeiteck in der Graunstraße Zwiebeln schneiden und Reis kochen, erzähle ich, wie man in Brasilien lebt und isst. Oder was die Küche meiner Heimat mit Afrika und Asien zu tun hat. Die Kokosmilch zum Beispiel brachte die frühere Kolonialmacht Portugal von Asien über Afrika nach Brasilien. Die Fakten und Geschichten aus meiner Kultur bringen Würze in den Vormittag. Das ist globales Lernen. Es muss nicht kompliziert sein. Hauptsache ist, dass sich die Teilnehmer ein Bild vom Thema machen, mitdiskutieren können und beim Kochen, Essen, Spielen oder Lesen Spaß haben.“ (mehr)

Das kann nicht sein!

Mein Hausarzt hatte Urlaub und ich ging zu einem neuen Arzt. Um genauer zu sein, einer Ärztin.

Die erste Fragen waren ganz einfach, bis auf:

„Sind Sie gegen ein Medikament allergisch?“

„Ja. Dapson.“

„Hmmm?“

Sie schlägt im Buch nach und findet das Medikament.

„Nein, das kann nicht sein!“

„Was denn?“

„Sie können nicht gegen Dapson allergisch sein! Es sei denn, Sie hatten schon Tuberkulose.“

„Tuberkulose nicht. Lepra.“

Und sie guckt mich an, als ob ich eine Außerirdische wäre.

„Sie müssen mich aber schon entschuldigen. Es passiert nicht jeden Tag, dass ein Arzt mit Lepra konfrontiert wird.“

„Kein Problem. Daran bin ich schon gewohnt.“

Das Gespräch verläuft weiterhin gut, bis ich mich daran erinnere, dass ich Ibuprofen brauche.

„Können Sie mir ein Rezept für Ibuprofen geben?“

„Sie brauchen kein Rezept für Ibuprofen 400mg. Das bekommen Sie rezeptfrei in jeder Apotheke.“

„Ich nehme aber nicht 400mg, sondern 800mg.“

Ein weiterer stiller Moment im Raum:

„Aber 800mg ist zu viel, wissen Sie das?“

„Ja, das weiß ich. Aber das ist leider manchmal nötig.“

Sie gibt mir das Rezept. Das Mitleid ist ihr ins Gesicht geschrieben.

Und ich frage mich, wie überrascht sie wohl wäre, wenn sie wüsste, dass ich damals täglich 3x Ibuprofen 800mg, 3x Gabapentin, 3x Tilidin, 3x Novalgin und Cortison genommen habe und selbst das nicht mal ausreichend war?

Die Arme…

Der rote Lippenstift aus Bregenz

Auf der Seite 163 meines Buches, der 264. Tag, findet man folgende Worter:

Und ich werde wieder aufstehen, mir den Staub abklopfen, die Kleider richten, einen Lippenstift auflegen, einen großen Schritt über den Stolperstein machen und einfach weitergehen. Von nun an, wie immer und für immer.

Diesen Beitrag lese ich immer vor. Und als ich in Vorarlberg war, war es nicht anderes. Ein paar Tage später bekam ich ein Geschenk von einer Person, die bei einer Lesung in Bregenz war:

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Das Geschenk: ein Lippenstift

Sie sagte, sie wäre von der Lesung beeindruckt und könnte nur an den Lippenstift denken. Dann hat sie ihn für mich gekauft. Ich fand es toll! Danke, Sabine.

Toll war auch die Zeit in Vorarlberg; die Menschen, die ich getroffen habe; und die Erfahrungen, die ich hatte. Es waren drei Lesungen und 11 Besuche in Schulen, fast 450 Zuhörer und Mitdenker. Schön, wie viel man bewegen kann.

Ich bedanke mich bei dem AHWÖ, den Organisatoren, den Teilnehmern, den Schülern und den Lehrern. Ihr wart großartig!

Und hier die Berichte von zwei Schulen: Riedenburg und Mehrerau.

Januar ist besonders

Am 21.1.10 begann mein neues Leben in Deutschland, Geburtstag meines Bruders.

Am 24.1.12 kam ich das erste Mal im Krankenhaus. Am 30.1.12 erhielte ich meine Diagnose.

Am 25.1.15 machte ich die erste Lesung im Lepramuseum Münster.

Morgen, 25.1.16, fange ich eine 10-tägige Reise nach Österreich an, wo ich Vorträge halten werde.

Der Welt-Lepra-Tag ist immer am letzten Sonntag im Januar. Diesmal am 31.1.16.

Mehr Infos über die Veranstaltungen in Österreich finden sie hier.

Die ganze Termine im Januar und Februar: hier.

Vortrag über Armutskrankheiten. Feuchtwangen, 15.1.16
Vortrag über Armutskrankheiten. Feuchtwangen, 15.1.16

Die Termine im Januar und Februar

15.1 – Vortrag Armut macht krank. Und Krankheit macht arm, Feuchtwangen, 19 Uhr.

27.1 – Lesung, Weltladen Egg, Österreich, 20 Uhr.

28.1 – Vortrag/Bildungsarbeit, Schule für Sozialbetreuungsberufe, Bregenz, Österreich

29.1 – Vortrag/Bildungsarbeit, Bezauer WirtschaftsSchulen, Bezau, Österreich
und Lesung, Die Arche, Bregenz, Österreich, 19 Uhr

1.2 – Vortrag/Bildungsarbeit, Gymnasium Egg, Österreich

2.2 – Vortrag/Bildungsarbeit, Kathi-Lampert-Schule, Götzis, Österreich
und Vortrag/Bildungsarbeit, Gymnasium Egg, Österreich

3.2 – Vortrag/Bildungsarbeit, Gymnasium Mehrerau, Österreich
und Lesung, Missionskreis Laterns, Österreich, 19:30 Uhr

12.2 – Vortrag über Brasilien (mit Kochen), Brunnenviertel e.V., Berlin, ab 10 Uhr

17.2 – Vortrag Armut macht krank. Und Krankheit macht arm, Weltladen Wedding, Berlin, 19 Uhr

 

 

Jahresrückblick

Mit großer Freude schaue ich zurück und merke, dass ich mir tatsächlich den Staub abgeklopft, die Kleider gerichtet, einen Lippenstift aufgelegt und einen großen Schritt über den Stolperstein gemacht habe und einfach weitergegangen bin. Dass ich es geschafft habe. Ja, das habe ich.

Mein Jahr 2015 war sehr produktiv. Ich habe Deutschland mit meinen Lesungen und Vorträgen bereist, verschiedene Projekte durchgeführt, mir (und anderen) Träume erfüllen können und viele wertvolle Menschen kennengelernt.

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ILEP’s Panel  and ITC Member

Das Jahr begann im Januar im Lepramuseum in Münster, wo ich anlässlich des Weltlepratags zu einer Lesung eingeladen war. Die Landschaften waren zugeschneit. Schneeweiß, wie ich es mag. Trotz rutschiger Straßen sind viele Besucher gekommen. Es war sehr bewegend. Ich bekam auch eine Anfrage, einen Artikel für „Die Klapper“ zu schreiben.

Seit Februar unterstütze ich CIOMAL als Beraterin bei der Entwicklung eines Projekts mit Leprabetroffenen im Nordosten Brasiliens. Mit der Stiftung besuchte ich im August dort ein Projekt. Außerdem  wurde ich in den Beirat des Aussätzigen Hilfswerks Österreich (AHWÖ), mit Sitz in Bregenz, berufen.

In Kronberg war ich für eine Lesung im März. Das war der Beginn einer interessanten Zusammenarbeit mit Nepra e.V. Die Geschäftsführerin Juliane v. Gordon und ich haben gemeinsam ein Konzept entwickelt und umgesetzt: eine Vortragsreihe mit dem Titel „Armut macht krank. Und Krankheit macht arm“. Angefangen haben wir dann im Oktober in Aichach, im November in Dannenberg und im Januar 2016 geht die Reihe geht in Feuchtwangen weiter. Alles in Kooperation mit Weltläden.

Im April eine kleine und schöne Lesung beim Frauentreff HellMa in Berlin-Marzahn.

In Kooperation mit der DAHW konnten wir im Juni zwei Lesungen in Würzburg und Balingen realisieren.

Nach der Sommerpause ging es in Berlin weiter. Im September hatte ich die für mich emotionalste Lesung in dem wunderschönen Puttensaal der Bibliothek im ehemaligen Luisenbad. Für mich war es ein Heimspiel mit vielen Freunden und aufmerksamen Besuchern.

Lesung Berlin am 23.9
Lesung in Berlin am 23.9

Im September habe ich einen kleinen und interessanten Trip nach London gemacht. Dort habe ich die Ausstellung „Is Leprosy eliminated?“ von Tom Bradley besucht und das Team von Lepra UK kennengelernt. Noch mehr tolle Menschen auf meiner Liste.

Anfang Oktober bin ich im Auftrag von AHWÖ nach Paris geflogen, um an dem ILEP Treffen teilzunehmen. ILEP ist der Welt-Dachverband von Organisationen, die sich für die Bekämpfung von Lepra setzen. Zusammen mit 14 internationalen Organisationen diskutierten wir zwei Tage lang  Strategien, die uns dabei helfen sollen, Lepra zu besiegen. Daraus sind Arbeitsgruppen entstanden, in denen ich mitarbeite. Auch seit Oktober bin ich Referentin für Globales Lernen im Programm Bildung trifft Entwicklung.

Paris: Working Group
Paris: Working Group

Die dritte von der DAHW organisierte Veranstaltung fand im November in Osnabrück statt. Eine schöne Begegnung, die mir viel bedeutet hat. Zumal ein Teil meines Buches in Osnabrück produziert wurde.

Für dieses Jahr und die schönen Momente, die sich daraus ergeben haben, möchte ich mich bei allen bedanken. Ihr habt alle dazu beigetragen, dass ich mich weiterentwickele und voller Motivation in das neue Jahr starte. Let‘s go!

Die kleine schöne Dinge im Leben

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Man fragt mich häufig, warum ich so eine positive Lebenseinstellung habe.

Ich glaube, das hat mit meiner Lebensgeschichte zu tun. Von klein an habe ich mich daran gewöhnt, mich auf die kleine Dinge im Leben zu freuen. Denn ich habe wenig bekommen, aber immer mit Liebe. Diese kleine Dinge waren immer speziell für mich und haben mir Freude bereitet.

So ist bis heute noch. Wie gestern, als ich in einem Café saß und eine Interview gab. Zwei Seniorinnen hatten mitbekommen, worüber wir sprachen, und fragten nach meinem Buch. Sie lasen die Rückseite und waren sofort von der Geschichte begeistert. Während ich und der Fotograf beschäftigt waren, haben sie sich mit dem Journalisten unterhalten. Als ich mit den Fotos fertig war, kam eine der Frau zu mir, überreichte mir ein Buch und sagte: „Ich möchte dass Sie, junge Dame, dieses Buch lesen. Die Passagen von der Seite 48 bis 53 sind sehr treffend.“ Ich wollte mir den Namen des Buches notieren, als sie sagte, das Buch sei für mich, ein Geschenk. Dazu noch ein Büchlein „Werd schnell wieder gesund: Lachen ist das beste Medizin“. Ich hatte die Frau nie zuvor gesehen. Aber sie war froh mich zu treffen, das war zu merken. Sie sprach, ich strahlte. Und ich strahlte weiter, als sie gingen. Ich fragte mich, woher bitteschön dieses Buch kam. Hat sie es gezaubert? Vielleicht.

Zu Hause blätterte ich das Buch durch und las die empfohlene Seiten. Die folgende Passage ist wirklich sehr treffend:

„(…) Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Tatsachen zu akzeptieren, anzunehmen, durchzustehen und den Mut nicht zu verlieren. Auf das Wie kommt es an, wie ich mit Schicksalsschlägen umgehe, ob ich mich in meinem Schmerz vergrabe oder ob ich meinem Humor behalte und auch noch lachen kann“

Die Frau heißt Beate, den Nachnamen weißt ich leider nicht. Falls Sie irgendwann auf diese Internetseite kommt, möchte ich, dass sie weiß, dass sie mir sehr gut getan hat und ich dafür dankbar bin. Ich glaube nicht an Zufälle. Das war doch keiner.

Woran ich noch arbeite – Teil 5

Seit Oktober dieses Jahres bin ich als Referentin für Globales Lernen im Programm Bildulg trifft Entwicklung tätig.

Das Programm Bildung trifft Entwicklung, kurz BtE, engagiert sich deutschlandweit für ein Lernen, das Brücken zwischen globalen Zusammenhängen und den Lebenswelten der Lernenden schlägt. (…)

BtE nutzt für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit die Erfahrungen und Kompetenzen zurückgekehrter Fachkräfte aus der Entwicklungszusammenarbeit, von Freiwilligen aus entwicklungspolitischen Freiwilligendiensten und von Menschen aus den Ländern des Globalen Südens. Unsere Referentinnen bieten durch ihre persönlichen Erfahrungen authentische Einblicke in weltweite Zusammenhänge und ermöglichen so einen Perspektivwechsel auf die Themen und Probleme der Globalisierung.

Meine Themen:

  • Brasilien
  • Armutskrankheiten/ Gesundheit
  • Armutsbekämpfung und
  • Nachhaltiger Konsum

Ob Schulen, Weltläden oder Kirchegemeinden, einfach Kontakt aufnehmen!

Armut macht krank. Und Krankheit macht arm: nächste Termine

Ein entwicklungspolitisches Gespräch zum Thema Armutserkrankungen mit Nepra e.V.

Dannenberg:
16. November, um 19 Uhr im Dannenberger evangelischen Gemeindehaus

Feuchtwangen:
20. November, um 19 Uhr in der Stadtbücherei Feuchtwangen – Aus familiären Gründen kann ich diesen Termin leider nicht wahrnehmen. Der neue Termin ist aber schon festgelegt: 15. Januar 2016

Lesung in Osnabrück, am 4. November um 19:30 Uhr

Am Mittwoch, 4. November 2015, ist Evelyne Leandro auf Einladung der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. zu Gast im Forum am Dom (Domhof 12, Osnabrück) und liest aus ihrem Buch „Ausgesetzt“. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.